Bauen in sehr alter Substanz

Haus am Graben

Sensibler Umgang mit alter Substanz:

Das Gebäude ist ungefähr 300 Jahre alt, wodurch das ursprüngliche Raumangebot für heutige Verhältnisse zu beengt und kleinteilig war und die Zimmer zu wenig belichtet. Ein Öffnen des Grundrisses durch Abbruch der Trennwände war die unvermeidbare Konsequenz. Aber wie das nötige Maß finden, um dem Gebäude nicht das Rückgrat zu brechen, indem man zu viel entfernt oder etwas implementiert das zerstört? Es galt also die wertvolle Substanz, welche das besondere Flair dieses betagten Hauses ausmacht, zu erhalten, aber in einem reduzierten Eingriff das Skelett des Hauses zu erleichtern, sodass eine Adaptierung an heutige Anforderungen und Raumbedürfnisse möglich wurde.

Auf drei Geschossen sind drei, im Prinzip separate Wohnungen vorhanden, die über einen engen, außen liegenden Stiegenkern erschlossen werden. Das bestehende Geschäft im Erdgeschoss blieb von den Umbaumaßnahmen un- berührt. Eine unprominente Eingangssituation daneben bedingt die Verschie- bung der Schwelle zwischen Außen und Innen ins erste Obergeschoss – dem roten Stockwerk –, welches eine Galerie beherbergt. Die präsente Farbe Rot entspricht dort mit ihrer Signalwirkung der Aufgabe der Schwellenbildung und weckt im Besucher die gewünschte Aufmerksamkeit. Im zweiten Obergeschoss – dem grünen Stockwerk – befinden sich Multifunktionsräume, die vorrangig als Treffpunkt für Gesprächsrunden dienen, aber auch als Wohnung genutzt werden können. Der darüber liegende Dachraum war in die Umbauarbeiten eingebunden, blieb aber unausgebaut.


Achtsamkeit und Sorgfalt im Innenausbau:

Durch den teilweisen Abbruch von Innenwänden wurde ein großzügiges, fließendes Raumerlebnis ermöglicht. Darüber hinaus soll in diesem Projekt Raum erzeugt werden, der leer und unberührt ist, und dabei trotzdem mit aller benötigten Einrichtung und Möblierung ausgestattet ist. Dies setzt sensible Implementierungen voraus, die den kennzeichnenden Charakter der Altbaustruktur nicht angreifen und die ihm eigene Struktur nicht verändern.

Dieses Konzept erfordert eine reduzierte Einbringung von Farbe und Material und individuelle Möbelentwürfe. Auch die Unebenheit der Wände schloss die Verwendung von Standardprodukten aus. Somit wurde das Mobiliar an die funktionalen und ästhetischen Wünsche, sowie an die räumlichen Gegeben-heiten angepasst und maßgearbeitet. Das Ergebnis zeugt vom Engagement der Planenden und Ausführenden.

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